Flagge Frankreich

Flaggen der Welt – Frankreich & die ehrwürdige Trikolore

  • Lesezeit: 9 Min.

Un voyage en France – Auf der Suche nach Antworten zur Flagge von Frankreich.
Es gilt als Land der guten Weine und faszinierenden Sehenswürdigkeiten. Doch dieses Fleckchen Erde hat eine Menge tolle Geschichten in petto. Ein paar davon erzählen wir euch hier.

Erfahrt, was für eine Bedeutung die Nationalflagge von Frankreich hat und welches Ereignis noch heute einen Teil des Landes prägt. Außerdem berichtet unsere Kollegin Sabine über ihr Leben und ihre Arbeit in Frankreich. Zusätzlich bekommt ihr sogar persönliche Empfehlungen für einen fantastischen Tag in der Metropole Paris.

Frankreich in Zahlen

Unser westliches Nachbarland umschließt eine Gesamtfläche von 632.834 km². Es ist also fast doppelt so groß wie Deutschland. Dazu zählen das französische Festland sowie Inseln und Überseegebiete, die ebenfalls zum europäischen Kontinent gehören.

Ausblick von der Dachterasse der Galerie Lafayette

Frankreich ist an vielen Stellen geprägt von Großstädten. Ob Paris oder Lyon, sie alle sind sehenswert. Ebenso gibt es wiederum das genaue Gegenteil davon. 9 National- und 54 regionale Naturparks mit Flächen von 4,5 bis 9 Millionen Hektar und unzählige unbewohnte Schutzzonen erschaffen ein Phänomen in Westeuropa. Im Vergleich zu Deutschland mit 233 Einwohnern/m² hat Frankreich deshalb nur eine Bevölkerungsdichte von 106 Einwohnern/m². Vom Flachland an der Westküste bis hin zum Gebirge im Südosten lässt sich hier wirklich alles entdecken. So auch der 4810 Meter hohe Mont Blanc – Höchster Berg der Alpen und damit Frankreichs.

Frankreich und seine Flagge

Wie in der Verfassung der fünften französischen Republik festgehalten, ist die Trikolore das offizielle Nationalemblem Frankreichs. Genau genommen seit Februar 1794.
Sie hat ein Seitenverhältnis von 3:2 und unterscheidet sich etwas von der Flagge zur See. Bei dieser sind die drei Farben im Verhältnis 30:33:37 angelegt. Was ist der Grund für die eingesetzten „optischen Proportionen“? Wedelt die Flagge im Wind, erzeugt sie so den Eindruck von gleich großen Streifen.

Proportionen der Flagge3 : 2 (Breite zu Höhe)
Verhältnis der Streifenbreiten1 : 1 : 1 (blau/weiß/rot – vertikal gestreift)
Erstmals gehisst1794
BezeichnungTricolore
französisch: drapeau tricolore (oder auch: Le tricolore, Drapeau bleu-blanc-rouge, Drapeau français)
Regionalflagge Réunion

Einige Territorien der Überseegebiete haben einen Sonderstatus. Mit diesem dürfen auf See sogar eigene Regionalflaggen gehisst werden – zusätzlich zur Nationalflagge Frankreich.

Was bedeuten die Farben der Trikolore?

Wappen Paris

Den Ursprung der Flagge bildet die Kombination von Blau und Rot, den Wappenfarben von Paris und Sinnbild für das Volk. Der weiße Streifen in der Mitte ist Symbol für die eingeschränkte Macht des Königs durch das Volk.

Später wurde die Bedeutung eher auf den Wahlspruch „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ zurückgeführt. Dabei verkörperte Blau die Freiheit, Weiß die Gleichheit und Rot die Brüderlichkeit.

Frankreich und die Geschichte seiner Flagge

So ziemlich jeder kennt die französische Nationalflagge und doch weiß wahrscheinlich der Großteil von uns nicht, welche Geschichte sie beinhaltet. Doch das wird sich ab sofort ändern.

Frühere königliche Flagge

In der Zeit des 17. Jahrhunderts bis zum Jahr 1790 führten die Franzosen eine schlichte weiße Marine- und Kriegsflagge. Es gab allerdings noch eine weitere Version. Zeitgleich wurde nämlich der weiße Stoff mit goldenen Lilien geschmückt und repräsentierte damit das königliche Haus der Bourbonen. War der König an Bord anwesend, wurde diese Flagge gehisst. Sie zeigte in jenen Situationen zusätzlich zwei Engel, welche das französische Wappen festhalten.

Bourbon bezeichnet ein französisches Adelsgeschlecht. Von ihm kommen sowohl Frankreichs Könige als auch einige Monarchen europäischer Staaten. Momentan stammen beispielsweise die Staatsoberhäupter in Spanien und Luxemburg aus dem Haus der Bourbonen.

Bis 1789 stellte diese Variante so etwas wie die Nationalflagge von Frankreich dar. Sie war während der Rückkehr der (Bourbonen-) Monarchie von 1814 bis 1830 erneut in Benutzung. Wurde jedoch mit Antritt des „Bürgerkönigs“ endgültig durch die heutige Trikolore ersetzt.

Trikolore bezeichnet eine dreifarbige Flagge mit gleich breiten, senkrechten oder waagerechten Streifen. Der eingedeutschte Begriff leitet sich von der französischen Bezeichnung „drapeau tricolore“ ab. Was übersetzt soviel heißt wie dreifarbige Flagge.

Die heutige Flagge von Frankreich

Heutige Nationalflagge von Frankreich

Während der französischen Revolution (1789-1799) beschlossen Verantwortliche 1790, Kriegs- und Handelsschiffe zum ersten Mal mit einer drei-gestreiften Flagge auszustatten. Diese besaß bereits die Farben der heutigen Frankreich-Flagge, jedoch in umgekehrter Reihenfolge. Somit lag nicht der blaue, sondern der rote Streifen an der Mastseite.

Flagge Niederlande

Die vertikale Ausrichtung auf der Flagge des Landes Frankreich ergab sich schnell. Schon hunderte Jahre vorher segelten die Niederländer mit ihrer Nationalflagge über die Weltmeere. Diese trägt die selben Farben wie die französische Flagge. Allerdings richten sich ihre Streifen horizontal aus. Somit war klar: Die der Franzosen werden senkrecht angeordnet.

Erfahre noch mehr zum Thema Fahnen & Flaggen. Was ist der Unterschied?

Frankreich hautnah

Im Juni 2017 bekam ich die Gelegenheit, Frankreich mit eigenen Augen zu sehen. Schon immer hat mich die Lebensart und Architektur in diesem Land fasziniert. Diese Chance ließ ich mir deshalb natürlich nicht entgehen. Von zwei, drei Erlebnissen meiner Reise möchte ich euch gerne berichten.

Bevor ich zu meinen persönlichen Erfahrungen komme, fragen wir aber einmal genauer nach. Was begeistert an diesem Fleck Erde so? Unsere Kollegin Sabine hat immerhin 30 Jahre im nördlichen Frankreich, der Somme in der Picardie, gelebt.

Sabine, woher kam deine Motivation, in diesem Land zu arbeiten und so viele Jahre zu leben, her? Warum ausgerechnet Frankreich?

„Die Motivation kam von der Tatsache, dass ich für meine zweite Fremdsprache eine super engagierte und kluge junge Klassenlehrerin bekommen habe, die es verstand, ausgezeichneten Sprachunterricht zu gestalten. Während meiner Ausbildung und auch danach, besuchte ich dann weiterhin Abendkurse.

Das Ausschlaggebende war ein Besuch in der französischen Stadt Brignoles. Wie es so kommt, hatten wir als Mitglieder des Blasorchesters Freundschaften geschlossen. In den Ferien ging es mit dem Zug Richtung Côte d’Azur und mit dem Bus dann weiter ins Inland. Wir besuchten befreundete Familien. Später habe ich auch meinen zukünftigen Mann dort kennengelernt.

Gut zwei Jahre später habe ich dann in  Frankreich geheiratet und bin dorthin gezogen. Anfangs war das Arbeiten problematisch, da es zum damaligen Zeitpunkt keine Äquivalenz der Diplome gab. Schließlich hatte ich mich dazu entschieden, noch einmal in die Schule zu gehen, um ein Literatur- und Sprachenabitur zu absolvieren. Dem folgte ein vierjähriges Germanistikstudium. Dieser direkte Kontakt mit den jungen Franzosen auf dem Gymnasium und später auch an der Uni, erlaubte es mir, die Sprache von Grund auf zu lernen. Von familiären Ausdrücken bis hin zum gehobenen Sprachregister.“

Französische Klischees – Wahr oder doch nur ausgedacht?

Falls du dich schon einmal gefragt hast, ob die Gerüchte um Metrofahrten in Frankreichs Hauptstadt und den Franzosen, die ihren Abend am Ufer der Seine ausklingen lassen, wahr sind – Sie stimmen. Das durfte ich selbst in Erfahrung bringen.

Metrostation Montmatre, Paris

Wenn du für ungewollt engen Körperkontakt mit Fremden und Schnelligkeit beim Zustieg nicht zu haben bist, dann steig lieber nicht in die Pariser Metro. Halb leere Bahnen sind dort eher die Seltenheit. Das kann ich schon nach einem Besuch bestätigen. Die meiste Zeit regieren an Metrostationen Hektik und Enge.

Stattdessen empfehle ich dir sehr eine abendliche Bootsfahrt auf der Seine zu genießen. Dort lassen sich täglich jede Menge Franzosen am Ufer sichten, die ihren Feierabend an der frischen Luft genießen. Ja, auch dieses Klischee ist wahr. Kleine Wohnungen und wenig Grün in der Großstadt machen es möglich. Oder besser: Notwendig.

Bootsfahrt auf der Seine, vorbei am Eiffelturm

Wieso ich diese Aktivität allerdings seit meinem ersten Besuch 2014 empfehle: Neben einem fantastischen Blick auf wichtige Gebäude der Stadt, lässt sich hervorragend beobachten, wie das Wahrzeichen der Stadt zu leuchten beginnt. Ein Anblick der definitiv in Erinnerung bleibt, wie man sieht.

Ein weiteres typisches Klischee kennen wir alle: Ohne Sprachkenntnisse in Französisch bist du in diesem Land aufgeschmissen. Doch stimmt das so wirklich? Nicht ganz, wie ich finde. Auch nach drei Jahren Französisch-Unterricht sind meine Sprachkenntnisse längst nicht ausgereift, vor allem mündlich. Trotzdem haben wir ab und zu versucht, etwas auf Französisch zu bestellen. Siehe da, die Franzosen freuen sich darüber. Und sie sind äußerst angetan mit Gestik und Sprache zu kommunizieren, bis sich beide Seiten verstehen.

Was sagst du dazu, Sabine: Haben sich deine Ansichten zu französischen Klischees verändert, nachdem du all die Jahre die Chance hattest, das Land und seine Leute so kennenzulernen, wie sie wirklich sind?

„Genau genommen, hatte ich damals eigentlich keine Klischees. Frankreich ist nicht Deutschland und die Franzosen sind anders als die Deutschen.

Während das deutsche Volk eher gehorsam und strebsam ist, gerne bis ins kleinste Detail plant und dies seriös durchzusetzen versucht, kann diese Disziplin anderen Angst einflößen. Das französische Volk hingegen nimmt die Dinge eher leichter, ist spontaner und versucht, mit Charme und Redegewandtheit (sie sind sehr stolz auf ihre Sprache und versuchen, sie vor Anglizismen zu schützen!) den Anderen zu beeindrucken. Was manchmal auch bis zur Unzuverlässigkeit gehen kann.

Wenn ich mich recht erinnere, war es die Leiterin der Kommunikationsabteilung in der Deutsch-Französischen Industrie- und Handelskammer, die meinte, dass die Franzosen gern ernst genommen werden wollen, während die Deutschen geliebt werden wollen. Ich zitiere Alexandra Seidel-Lauer: „Wer nicht ernstgenommen wird, neigt dazu sich aufzuplustern. Wer nicht geliebt wird, reagiert oft überempfindlich.“

Für mich haben beide Völker also sehr viele komplementäre Eigenschaften, die es zu verstehen gilt und die man unbedingt gemeinsam, mit offener Haltung dem anderen gegenüber, ausarbeiten sollte. Seinen Horizont zu erweitern, ist immer sinnvoll.“

Auf den Spuren des 1. Weltkrieges

Gebeinhaus in Granatenform, Verdun

Ein Teil unseres Ausflugs hieß, Geschichtskenntnisse auffrischen. Ein kurzer Stopp an der Gedenkstätte Verdun war das Ziel. Dort fand 1916 die wahrscheinlich längste und verlustreichste Schlacht des 1. Weltkriegs statt. Knappe zehn Monate kämpften Deutschland und Frankreich hier gegeneinander. Nicht umsonst wird diese Zeit immer noch als „Die Hölle von Verdun“ bezeichnet.

Grabkreuze in Verdun

Heute erinnern 15.000 weiße Grabkreuze mit je einem gepflanzten Rosenstock an die gefallenen Franzosen der Schlacht. Doch auch deutsche Kriegsopfer erhielten auf französischem Land ihre Ruhestätte. Unterscheiden lassen sie sich unter anderem an der Farbe der Kreuze. Deutsche Kreuze sind aufgrund einer Klausel im Versailler Vertrag nämlich Schwarz und nicht Weiß.

Eiffelturm

Umso schöner ist es jedoch, dass wir heute alle weltoffener sind. Und noch dazu abenteuerlustig. Millionen Menschen reisen jährlich in andere Länder. Ob Arbeit oder Vergnügen spielt dabei eher eine kleine Rolle. Denn zu sehen bekommen sie alle etwas.

Eine Stadt wie Paris ist voll von Menschen aus aller Welt. Das Schöne daran? Sie alle bezeichnen sich inzwischen als Pariser. Eine bunte Mischung unterschiedlichster Charaktere, die sicher in vielen Punkten die gleiche Meinung haben. In einem aber hoffentlich besonders: Essen verbindet!

Kulinarische Reise durch Paris

Frankreich und gutes Essen – Das passt wie Topf und Deckel! Ergibt sich also irgendwann mal die Gelegenheit für dich dieses schöne Land und seine Hauptstadt zu besuchen, nutze sie. Nicht nur zum Entdecken traumhafter Gassen, sondern auch des Essens wegen.

Original französische Macarons

So sind Macarons inzwischen wohl auch außerhalb unseres Nachbarlandes bei fast jedem bekannt. Dass einige sich an das süße französische Gebäck noch nicht ganz herantrauen, ist verständlich. Vielleicht müssen auch zwei, drei kleine Pâtisserien besucht werden, bis die perfekten Macarons dabei sind. Ich kann dir jedoch sagen: Es lohnt sich, sie einmal probiert zu haben. Denn die Franzosen wissen, was sie in der Küche tun.

Blick in die Straßen von Paris

Was Frankreich sonst Kulinarisches zu bieten hat? Cafés zum Beispiel. Besonders die in den Gassen mit Blick über einen kleinen Teil von Paris haben außerordentlich Charme. Anders als wir es gewohnt sind, besteht das Angebot französischer Cafés jedoch selten aus Kaffee und Kuchen, sondern hauptsächlich aus herzhaften Gerichten.

Bei meinem zweiten Besuch in Paris fand ich eines, das ich auch heute noch jedem gerne weiter empfehle – Das Café Francœur. Es lag direkt auf unserem Weg zur bekannten Wallfahrtskirche Sacré-Cœur auf dem Montmartre. Selbstgemachte Burger und Fritten, Salate oder liebevoll zubereitete Sandwiches – Es gab alles! Und es schmeckte fantastisch!

Aber erzähle uns doch mal, Sabine: Während der Zeit, in denen Frankreich dein Zuhause war. Hast du einen Ort entdeckt, der dich jederzeit wieder dort hinziehen würde, um einen entspannten Abend mit Freunden und gutem Essen zu verbringen?

„Ja, auf alle Fälle, in Frankreich habe ich den größten Teil meines Lebens verbracht! Es gibt viele Orte und Menschen, die mich jederzeit wieder ins Land ziehen würden. Meine Kinder wohnen in Frankreich und ich besuche sie so oft wie möglich.

Auf unserer letzten Reise sind wir an die Côte d’Opale gefahren und die Strandpromenade entlang nach Le Tréport spaziert. Das ist ein normannisches Fischereistädtchen. An der Hafenmole bei der Criée (Fischauktionshalle) kehrten wir in ein Restaurant ein und haben, wie es sich gehört, leckere Moules-Frites à la marinière [Miesmuscheln mit Pommes Frites] gegessen. Das war ein ausnehmend schöner Tagesausflug!

Paris kann ich persönlich nur „episodenweise“ verkraften, denn da ist mir zu viel Rummel. Jede Provinz hingegen hat ihr eigenes Flair, ihre eigenen Landschaften, mit eigenem Menschenschlag und seinen Gebräuchen. Das gilt es zu entdecken und lieben zu lernen.“

Mein persönliches Fazit?

Für mich haben wundervolle Erlebnisse und beeindruckende Orte diese Reise nach und durch Frankreich bis heute absolut unvergesslich gemacht. Auch wenn du im ein oder anderen Viertel verdammt gut auf deine Wertsachen aufpassen musst, den Weg in Richtung Westen auf sich zu nehmen lohnt sich. Denn sowohl die Vergangenheit als auch die Gegenwart dieses Landes und vor allem die Menschen sind es wert, einmal zu Besuch gewesen zu sein.

Hast du Lust noch mehr über die Flaggen und Länder unserer Welt zu erfahren?
Dann schau dir doch in unseren Blogbeiträgen „Flaggen der Welt – Eine Reise nach Nepal“ und „Flaggen der Welt – Kanada, Land zwischen zwei Ozeanen“ mal an, welche außergewöhnlichen Formen und Geschichten diese Flaggen bereithalten.
Viel Spaß beim Weiterlesen!


Fotos: „Eiffelturm“, „Macarons“, „Blick in die Straßen von Paris“ und „Burger“: Sandy, privat
restliche Fotos: Shutterstock
Quellen: Ministerium für Europa und auswärtige Angelegenheiten Frankreich, Nationalflaggen aus aller Welt, Explore France TM, Flaggenlexikon

Über Sandy
Sandy macht bei uns ihre Berufsausbildung zur Mediengestalterin für Digital und Print. Außerhalb der Arbeit entspannt sie gern mit einem guten Buch oder widmet sich dem Schreiben eigener Texte.
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