Hände halten Fähnchen verschiedener Nationalflaggen

Was ist der Unterschied zwischen Fahne und Flagge?

  • Lesezeit: 5 Min.

Hast du dich schon einmal gefragt, warum teilweise von Fahne und an anderer Stelle von Flagge gesprochen wird? Gibt es einen Unter­schied zwischen den scheinbar gleichen Produkten Fahne und Flagge?
In unserem Blog-Beitrag erfährst du mehr über die Wissen­schaft Vexillologie, die Geschichte und Bedeutung von Fahnen und Flaggen und ihre praktische Verwendung.

Recht simpel: der Fahne – Flagge Unter­schied

Die Unterscheidung ist laut Vexillologen recht einfach zu erklären:

Bei der Fahne handelt es sich um ein Einzel­stück, welches fest an einer Stange befestigt ist. Oft verzieren kunstvolle Wappen und komplizierte Darstellungen das Fahnen­tuch.

Im Gegensatz dazu ist die Flagge ein einfach gestaltetes Massen­produkt, deshalb ist sie leicht zu ersetzen. Sie wird mit einem Seil an einem Fahnen­mast gehisst und nieder geholt.

Vexillologie: die Flaggen- und Fahnen­kunde

Die Vexillo­logie ist eine sehr junge Wissenschaft. Der Begriff wurde von dem lateinischen Wort Vexillum (Fahne) abgeleitet. Als Teil­gebiet der Heraldik (Wappenkunde) befasst sie sich mit dem Bereich der Fahnen und Flaggen. Vexillo­logen erforschen geschichtliche Hinter­gründe und die Bedeutung von Fahnen und Flaggen. Sie recherchieren zu Entwurf und der Herstellung. Weiterhin liefert die Flaggen- und Fahnen­kunde, als Hilfs­wissenschaft, Forschungs­ergebnisse für verschiedene Kultur­wissenschaften, dazu zählen die Symbolik, die Ästhetik oder die Kunst­geschichte. Auch in den Bereich Soziologie, Politologie und Massen­kommunikation finden Erkenntnisse der Vexillo­logie ihre Verwendung.

In Deutschland ist die DGF, die „Deutsche Gesellschaft für Flaggen­kunde e.V.“, der richtige Ansprech­partner. Die DGF ist ein gemein­nütziger Verein, der 1995 gegründet wurde. Seit dieser Zeit widmet er sich der Erforschung, Förderung, sowie Pflege der Flaggen­kunde. Der Verein dokumentiert deutsche Flaggen aus Vergangen­heit und Gegen­wart und beobachtet die Entwicklungen zu neuen National- und Regional­flaggen.

Die geschichtliche Entwicklung der Vexillologie

Erste Erwähnung der Fahnen­kunde

  • Erwähnung von Fahnen in illustrierten Reise­beschreibungen (Libro do Conoscimiento, ca. 1350),
  • Wappen­banner-Rollen (z.B. Mowbrays Roll, 1365/70),
  • Landkarten, Portolane
Historische Portolan Karte mit Abbildungen von Fahnen
Historische Portolan Karte mit Abbildungen von Fahnen
  • Flaggen­veröffentlichungen mit Abbildungen zeitgenössischer Flaggen
  • Schlüssel­werk von Carl Allard (1694)

Erste Veröffentlichung von Flaggen­verzeichnissen.

Beispielsweise im Hand­buch von Norie and Hobbs, 1848, welches als Hilfsmittel für Schiffs­offiziere diente.
Die Verzeichnisse waren häufig auf Faser­papier gedruckt und konnten gefaltet werden.

Erstes bedeutendes Flaggen­buch: Kapitän Le Gras „Album des pavillons, guidons et flammes de toutes les puissances maritimes“.
Dabei handelte es sich um ein illustriertes Handbuch mit kurzen Begleit­texten.

Flaggenbuch der Deutschen Kriegsmarine , Dr. Ottfried Neubecker (1908-1992), gilt als der Begründer der Flaggen- und Fahnen­kunde als Wissenschaft

Whitney Smith (Gründer des Flag Research Center in den USA und der Heraus­geber des Flag Bulletin) verknüpft das lateinische Wort vexillum für (Stoff-) Fahne mit der -logie.

Die Fahne: das besondere Einzel­stück

Fahnen sind schon sehr lange in Gebrauch. In China fand man auf dem Grabstein eines Kaisers der Han-Dynastie Darstellungen eines farbigen Tuches an einer Stange. Auch die alten Römer und Griechen verwendeten Fahnen als Feld­zeichen für ihre Heere und taktischen Einheiten.

Vom persönlichen Wahr­zeichen zum Herrschafts­zeichen

Ursprünglich waren Fahnen persönliche Zeichen seines Trägers, doch schließlich wurden sie auf ganze Herrschafts­bereiche übertragen. Ein Beispiel ist die Oriflamme. Entstanden als Kriegs­fahne der französischen Abtei St. Denis, wurde sie von den französischen Königen übernommen und schließlich zur Fahne des König­reichs Frankreich gemacht.

Die Truppen­fahne: Symbol der Treue zu seinem Land

Fahne - Amerikanischer Soldat mit Fahne im Kolonialkrieg

Die militärische Truppen­fahne ist bis heute ein Symbol der Treue zum eigenen Land. Schon im Mittelalter waren Fahnen ein wichtiges Erkennungs­zeichen in der Schlacht, damit man Freund und Feind von einander unterscheiden konnte. Der jüngste Offizier hatte als Fähnrich die ehrenvolle und schwere Aufgabe die Truppen­fahne zu beschützen, notfalls auch mit dem Leben. Der Verlust der Fahne bedeutete Entehrung der Truppe und konnte nur durch außergewöhnliche Leistungen ausgeglichen werden.

Die besonderen Merkmale der Fahne

Fahne mit gesticktem Wappen

Meist befanden sich auf dem Fahnen­tuch Wappen oder aufwendige Darstellungen, damit war eine massenhafte Fertigung nicht möglich. Auf den zahlreichen Feld­zügen wurden jedoch sehr viele Fahnen benötigt. Kurzum, es musste ein Weg gefunden werden, diese massen­haft herzustellen – die Geburts­stunde der Flagge.


Die Flagge: das einfache Massen­produkt

Die Entstehung der Flagge beruht auf der Vereinfachung von Fahnen. Man entschied sich für die wichtigsten Farben und simple Zeichen und Symbole.

Die Nationalflagge

Bei der Entwicklung von National­flaggen wird den Kreuz­zügen eine große Bedeutung zugeschrieben. Für die Kenn­zeichnung der Heere wurde eine enorme Anzahl an Flaggen benötigt. Es entstanden eine Vielzahl von Kreuz­flaggen. Sehr bekannte Beispiele sind die englische Georgsflagge, die schottische Andreasflagge oder der dänische Danebrog. Letzterer wurde zum Vorbild für viele skandinavische National­flaggen.

Flaggen in der See­fahrt

Die Verwendung von Flaggen zur See gehört zu den Anfängen der Flaggen, wie wir sie heute kennen. Erstmals wurden Fahnen nicht nur getragen, sondern an einem Mast gehisst. Mit der Entwicklung der Handels­schiff­fahrt entstanden so genannte Kontor­flaggen für die ver­schiedenen Handels­firmen.

Die Ver­einigten Nieder­lande gebrauchten die an Land übliche Nationalflagge im 16. Jahr­hundert erstmals auch als Erkennungs­zeichen auf See. Später über­nahmen andere Staaten diesen Brauch.

Flaggen zur See - Signalflaggen

Eine Besonderheit in der Schiff­fahrt ist die Verwendung von Signal­flaggen. Im Jahr 1901 wurde ein einheitliches Flaggen­alphabet mit 26 Buch­staben, zehn Zahlen­wimpeln, vier Hilfstandern und zwei Bahn- und Ziel­wimpeln eingeführt. Mit Hilfe dieser Signal­flaggen besteht die Möglichkeit Befehle oder Botschaften auch ohne technische Mittel zwischen Schiffen auszutauschen.

Das Flaggen­recht

Das Internationale Flaggen­recht beinhaltet grundsätzliche Fest­legungen zum Gebrauch von Flaggen.

So besteht zwischen internationalen Fahnen keine Rang­ordnung. Die kreis­förmige Anordnung unterstreicht die gleiche Wertigkeit der National­flaggen aller Länder. Kann dies nicht realisiert werden, ist die alphabetische Anordnung zu benutzen.

Die Flagge eines Staates muss sich deutlich von der eines anderen Staates unterscheiden. Das kann durch Farben, verschiedene Streifen oder Wappen erfolgen.

Flagge - Nationalflaggen

Jedes Schiff ist verpflichtet, auf hoher See die National­flagge zu führen. Ein besonderer Brauch ist es, bei Ein­fahrt in den Hafen eines Gast­landes die entsprechende Landes­flagge zu setzen. Das ein­fahrende Schiff signalisiert damit, dass es die Regeln und Gesetze dieses Landes respektiert.

Fahne & Flagge – Die praktische Ver­wendung in der heutigen Zeit

Im allgemeinen Sprach­gebrauch machen wir heut­zutage kaum noch einen Unter­schied zwischen den Begriffen Fahne und Flagge. Sie gelten als Synonyme oder bedeutungs­gleiche Wörter.

Die Grenzen zwischen den Begriffen verschwimmen weitestgehend. Moderne Produktions­verfahren ermöglichen in unserer Zeit die Darstellung von kunst­vollen Abbildungen, die früher nur durch aufwendige Hand­arbeit realisierbar waren. Auch die Art der Anbringung ist durch die Vielzahl an Möglichkeiten kein grundlegendes Unterscheidungs­merkmal mehr.

In unserem Shop findest du ein umfangreiches Sortiment an Fahnen und Flaggen. Neben National­flaggen stehen dir Regional- und Sonder­fahnen in Standard- und Sonder­größen zur Aus­wahl.

Individuelle Flaggen für Firmen oder Privat­personen kannst du auch ohne grafische Vor­kenntnisse in unserem Design­tool gestalten. In der Visprodesign®-Bild­daten­bank findest du eine große Anzahl von Cliparts und Design­vorlagen. Komplettiere sie mit deinen eigenen Fotos und Logos und erhalte so deine einzigartige Werbefahne. Ein breites Sortiment an Zubehör, Masten und Befestigungs­möglichkeiten setzen deine Flagge ausdrucksvoll in Szene. Entdecke unser ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis auf www.vispronet.de!

Noch mehr interessante Infos zum Thema erhaltet ihr in unserem Blogbeitrag Offizielle Flaggen.

Interessante Informationen und wissens­werte Fakten gibt es auf unserer Seite zum Thema „Fahnen und Flaggen“.


Quellen:
Die Welt der Flaggen und Wappen aller Länder, William Crampton, Battenberg Verlag Augsburg, ISBN 3-89441-046-9
Flaggen und Wappen aller Länder, Textbeiträge Karl-Heinz Hesmer, Bertelsmann Lexikon Verlag Gütersloh, ISBN 3-570 01082-1

Über Maike
Maike war viele Jahre als Gruppenleiterin im Bereich Grafik - Druckvorstufe tätig. Sie kennt sich bestens mit den Themen-Bereichen Datenprüfung, Druckdaten, Vektor- und Bildbearbeitung aus. Für den Blog textet sie, bearbeitet Bilder und Videos und optimiert die Beiträge SEO-gerecht.
4
Mag ich! 5

4 Kommentare

  • bezzyy sagt:

    Hey danke für die Erklärung des Unterschieds von Fahne und Flagge! Vielen dank!

    • Maike sagt:

      Hallo Bezzyy, sehr gerne! 🙂
      Wir sind immer auf der Suche nach spannenden und interessanten Themen. Wenn Du also Fragen oder Anregungen hast, immer her damit!

  • Andreas Gudat-Wengenroth sagt:

    Danke für die Erklärung, die ich regelmäßig im Berliner Landesparlament abgeben muss..
    Ich habe jetzt, nach jahrelangen Forschungen, aber eine kleine Herausforderung. Im Berliner Landesparlament, für das ich im Besucherdienst arbeite, hängen zwei Flaggen (BRD u. EU) und eine Fahne. Sie zeigt den Berliner Bären allerdings ohne: silbernen (weißem) Schild und damit auch ohne goldene fünfblättrige Laubkrone mit einem Mauerwerk und einem geschlossenen Tor in der Mitte als Stirnreif und ohne rot bewehrter (Krallen) und roter Zunge.
    Er heißt landläufig auch der „entmilitarisierte Bär“.
    Nun ist aber auch bei meinem Auftraggeber nicht zu erfahren, woher die Fahne stammt, wer sie entworfen hat (Renè Sintenis war es nicht, auch wenn sie in der Kommission für eine „Neufindung“ des Berliner Bären saß), und warum keine „entmilitarisierte Fassung“ bei der Magistratsgründung (Jan 1946) zu finden war, sondern der 1934er Bär gezeigt wurde.
    Wenn Sie wissen, woher diese Fahne stammt, oder Vermutungen haben, wäre ich Ihnen sehr dankbar über eine Antwort.
    Herzliche Grüße aus Charlottenburg

    Andreas Gudat-Wengenroth

    • Maike sagt:

      Hallo Herr Gudat-Wengenroth, es freut uns, dass wir Ihnen helfen konnten.
      Zu Ihrer Frage zum Berliner Bären finden wir hoffentlich auch eine Antwort. Lassen Sie uns ein wenig Zeit für dieses recht spezielle Problem!
      Viele Grüße
      Maike

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.