Mein erstes Jahr in der Ausbildung zum Mediengestalter

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Du hast noch nie vom Ausbildungszentrum Polygrafie e.V. in Chemnitz gehört? Trotzdem sollst du dort einen Teil deiner Ausbildung zum Mediengestalter machen? Verständlich, dass die Entscheidung dein erstes Lehrjahr da zu verbringen, wie ein Sprung ins kalte Wasser scheint. Neue Leute, neue Stadt – neuer Lebensabschnitt. Und das in Kamenz, Chemnitz und deiner Berufsschule in Dresden.

AZP Chemnitz

Was bei der Entscheidung zur richtigen Ausbildung am meisten verunsichert, sind die unbekannten Inhalte und das fremde Umfeld. Welche Aufgaben hat ein Mediengestalter? Wer sind die Menschen, mit denen ich arbeite? Um dir deine Ängste vor dieser Zeit zu nehmen, erzähle ich einfach mal von meinem Jahr in Chemnitz.

Der Beginn meiner Ausbildung zum Mediengestalter/in

Folder über Aufgaben des Mediengestalters und -technologen

Bereits in der ersten Woche im Ausbildungszentrum wurde uns Azubis und Umschülern ein Einblick in die Aufgaben eines Mediengestalters und Medientechnologen gegeben. Die werden dort ebenfalls überbetrieblich ausgebildet. Gemeinsam nutzten wir direkt unsere kreative Ader und gestalteten einen Folder für diese beiden Berufe.

Folder bezeichnen mehrseitige Papiermedien, die vor dem Schneiden mindestens einmal gefaltet werden. Flyer hingegen bestehen nur aus Vorder- und Rückseite, ohne jegliche Falzung.

Folder über Beruf des Mediengestalters,  erste Übung für Mediengestalter

Der Fortschritt von einem Jahr ist, verglichen mit meinem Folder kurz vor Ende des ersten Ausbildungsjahres, deutlich erkennbar. Da fällt einem nach diesem Jahr Erfahrung auch auf, wie klein der Abstand zwischen Text und Bild ist. Oder welche Schrift besser geeignet gewesen wäre. Aber zum Lernen und Reflektieren bin ich ja schließlich in Chemnitz gewesen.

Um uns ebenfalls von Anfang an in den Produktionsprozess einzubinden, druckten wir unsere Layouts an den Tagen darauf auf der vorhandenen Offsetdruckmaschine. Die Drucker des 2. und 3. Lehrjahres unterstützten uns dabei tatkräftig mit ihrem Wissen.

Schon in dieser ersten Woche knüpften wir untereinander schnell Kontakt. Das gesamte Team war einfach großartig. Damit hatten wir bereits eine der gefürchteten Hürden überwunden – zum Glück. Zusammen wurde dieses Jahr sehr amüsant und verging fast schon zu schnell für meinen Geschmack.

Die Aufgaben eines Mediengestalters

In der darauffolgenden Zeit kamen die Grundkurs- und Vertiefungswochen für die Adobe-Software hinzu: Illustrator, InDesign, Photoshop. Ein Muss für jeden Mediengestalter, denn diese Programme kommen in der Medienbranche am häufigsten zum Einsatz. Damit uns die Anwendung am Ende unserer Ausbildung zum/r Mediengestalter/in leicht fällt, haben wir immer wieder Übungen umgesetzt.

Selbst gestaltetes Kinderbuch, Übung für Mediengestalter

So sollten wir in einer unserer Projektwochen ein 12-seitiges Kinderbuch entwerfen. Dabei war ein grobes Thema zur Orientierung vorgegeben. Aus Zeitgründen teilten wir die Aufgaben zur Erstellung der einzelnen Elemente auf und tauschten sie am Ende untereinander aus. Wir überlegten uns zusätzlich eine passende Geschichte und hielten am Ende wirklich stolz das erste Exemplar unserer Arbeit in den Händen.

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Mit den praktischen Aufgaben wurde aber nicht nur unser Auge in Sachen Schrift, Abstand und Ähnlichem geschult. Sie zeigten auch, welche Regeln bei bestimmten Produkten zu beachten sind. Es kann ein Text sein, der selbst auf kleiner Fläche gut lesbar sein soll. An anderer Stelle muss die Hierarchie der einzelnen Informationen deutlich werden.

Diese Übungen des letzten Jahres zeigen unter anderem den Auftrag eines Pflanzenschildes. Dabei ging es um genau diese Regeln. Die Besonderheit war, dass abgewogen werden musste, in welcher Form der Inhalt genutzt wird. Piktogramme zum Beispiel können helfen, Textstücke kurz, anschaulich und leicht verständlich zu machen.

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Piktogramme bezeichnen Symbole, die durch eine vereinfachte Darstellung Informationen vermitteln. Sie sind meist in einer Farbe und für jeden schnell erkennbar. Ein „P“ für Parkplatz oder die Toilettenfiguren gehören beispielsweise zu dieser Kategorie.

Unsere Endprodukte wurden jeweils in einer gemeinsamen Auswertung betrachtet. Durch die objektive Einschätzung von außen, entdeckten wir kleine Fehler, die danach behoben werden konnten. Die Arbeiten der anderen dienten jedoch auch als Inspirationsquelle für ähnliche Aufgaben. Ich zeichnete einen Sneaker aus einzelnen Pfade und gestaltete eine Fashion-Label-Postkarte.

Die Dozenten kommen aus ganz Sachsen

Die Dozenten des Ausbildungszentrums sind nicht nur unglaublich sympathisch, sie bringen vor allem jede Menge interessante Erfahrungen mit. Einige von ihnen kommen aus Leipzig, die anderen aus Dresden. Durch ihre Arbeit als Grafikerin oder Medienfachwirt im Schwerpunkt Digital konnten sie uns dabei helfen, Webseiten zu erstellen und eigene Logos zu entwickeln.

Selbst, wenn der Stoff umfangreich war, jeder von ihnen hat eine Lösung gefunden, um die bevorstehenden Stunden so abwechslungsreich und verständlich wie möglich zu gestalten. Spätestens das Gespräch in der ein oder anderen gemeinsam verbrachten Pause lockerte den Tag dann auf. 

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Als Mediengestalter sammelst du Vorteile für die Berufsschule

Ein weiterer sehr positiver Effekt der Zeit im Ausbildungszentrum ist die Übersicht über den gesamten Workflow eines Produktes zu bekommen. Denn auch den haben wir besprochen und wie ich finde, ein gutes Verständnis für die einzelnen Prozesse entwickelt.

Ein Workflow bezeichnet den Entstehungsablauf eines Produktes. Er beginnt mit dem Erhalt benötigter Daten, wie Bildern oder Texten, und endet mit der Weiterverarbeitung des Auftrags, beispielsweise dem Binden eines Buches, nach dem Druck.

Begonnen beim Briefing des Kunden, weiter über Proof und RIP, bis hin zum endgültigen Druckprozess und der abschließenden Weiterverarbeitung war alles dabei.

Briefing bedeutet „Anweisung“. Darin fasst der Auftraggeber seine Vorstellungen des gewünschten Produktes kurz zusammen und informiert über alles, was zur Bearbeitung des Auftrags benötigt wird. Inhalte sind deshalb zum Beispiel die Zielsetzung oder der Zeit- und Kostenplan.

Die Chance auf einen so genauen Einblick in den Druckprozess haben die wenigsten Azubis der Mediengestaltung im ersten Lehrjahr. Diese Erfahrung bringt durchaus Vorteile in der Berufsschule mit sich.

Allerdings nicht nur, wenn es um die Begrifflichkeiten des Workflows geht. Auch, wenn es zu Themen wie den unterschiedlichen Druckverfahren oder dem Colormanagement kommt. Was genau du darunter verstehst, kannst du in unserem Blogpost „Was ist Colormanagement“ nachlesen.

Grafik zum Thema Colormanagement

Einen kleinen Einblick in die Thematik gibt diese Grafik. Vielleicht ist dir ja schon einmal aufgefallen, dass die Darstellung deines Bildes am PC nicht zu 100 Prozent mit deinem Ausdruck übereinstimmt. Den Grund dafür und weitere wichtige Faktoren zum Gestalten erfährst du während deiner Ausbildung zum/r Mediengestalter/in – sowohl in Ausbildungszentrum für Polygrafie e.V. Chemnitz, als auch in deiner Berufsschule in Dresden und natürlich im Ausbildungsbetrieb.

Wie meine Erfahrung mir bisher gezeigt hat, schadet es wirklich nicht, bereits einen Teil der Themen, die im Ausbildungszentrum für Polygrafie behandelt wurden, zu verstehen. Oder zumindest einige der Bezeichnungen schon einmal gehört zu haben.

Das Team des AZP

Für die beiden Stoffgebiete Colormanagement und Druck sind im AZP vor allem Herr Hofmann und Herr Seidel verantwortlich. Gemeinsam mit Frau Cholewa bilden sie das Team rund um das Ausbildungszentrum. Wer die drei jedoch genau sind und für welche Bereiche sie außerdem die Verantwortung tragen, schaust du dir am besten in unserem Video an. Dort und über die Website www.azp.de bekommst du außerdem einen zusätzlichen Einblick in die Geschehnisse und Räumlichkeiten in Chemnitz.

Wie du sehen kannst, hat mich das AZP trotz anfänglicher Zweifel wirklich begeistert. Ich kann dir sagen: Diese Entscheidung hab ich seitdem keine Sekunde bereut. Ich bin sicher, dir wird es ähnlich ergehen. Sich am Wochenende tatsächlich auf den Montagmorgen und die Arbeit freuen – Was gibt es Besseres?

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Fotos: „Beitragsbild“: Shutterstock, „Ansicht AZP“: AZP Chemnitz
Restliche Fotos und Grafiken: Sandy,  privat bzw. im Rahmen der Ausbildung erstellt

Über Sandy
Sandy macht bei uns ihre Berufsausbildung zur Mediengestalterin für Digital und Print. Außerhalb der Arbeit entspannt sie gern mit einem guten Buch oder widmet sich dem Schreiben eigener Texte.
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