Was ist Colormanagement?

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Wie funktioniert Colormanagement? Für alle unter euch, die sich noch etwas „schwer“ tun mit dem Thema „Farbmanagement“, erklärt Jens euch die Fakten und Workflows. Damit eure Bilder und Grafiken immer so aussehen, wie ihr es geplant hattet.

Was ist Colormanagement?

Colormanagement oder auch Farbmanagement ist die Grundlage für eine möglichst ähnliche Farbwiedergabe auf unterschiedlichen Materialien, zum Beispiel auf einem glänzenden Dekostoff, einer matten Fototapete oder einer weichen Fußmatte.
Dabei spielen mehrere Faktoren eine Rolle:

  • Eigenschaften des Druckmaterials
  • Maschinen mit ungleichen technischen Parametern
  • Verschiedenartige Tintensysteme (lösemittelhaltige Pigmenttinten, UV-härtende Pigmenttinten, wasserbasierende Pigmenttinten, sowie Sublimations- und Dispersionstinten)
  • Nicht genormter Farbausfall der Grundfarben Cyan, Magenta, Yellow und Black. (Jeder Hersteller nutzt einen eigenen Farbstandard. Die Cyan-Tinte des Herstellers 1 hat beispielsweise ein anderes Aussehen, als die Tinte von Hersteller 2.)

Wie funktioniert Colormanagement?

Drei wichtige Komponenten bilden das Fundament für das klassische Farbmanagement: ICC-Profil, Linearisierung und das Tintenlimit. Bei der Analyse und Erarbeitung muss deshalb sehr sorgfältig gearbeitet werden.

ICC-Profil

Die Grundlage jedes guten Farbmanagements ist das ICC-Profil. Für die Erstellung wird ein Raster aus vordefinierten Farbfeldern mit der entsprechenden Druckmaschine auf das gewählte Material gedruckt. Anschließend wird dieser Testdruck mit Hilfe eines Spektralphotometers ausgewertet. Dabei wird jedes dieser Farbfelder ausgemessen. Eine spezielle Software erzeugt aus diesen gemessenen Werten und den Soll-Werten, die in der Software hinterlegt sind, das ICC Profil.

Spectralfotometer
Spectralfotometer: Barbieri Spectro LFP qb

Linearisierung

Jedes ICC-Profil benötigt als „Fundament“ die Linearisierung. Beim Druck fließt die Tinte auf dem Material etwas in die Breite. Dieser Effekt wird als Punktzuwachs bezeichnet. Bei Textilien ist der Punktzuwachs höher als bei starren Materialien, wie beispielsweise Hartschaumplatten. Sehr leicht lässt sich dieser Effekt veranschaulichen, wenn die Tinte eines Füllfederhalters auf ein Löschpapier tropft. Trifft die Tinte auf das Papier, läuft der Fleck etwas in die Breite. Bei der Linearisierung wird geprüft, wie stark der Tropfen der Drucktinte auf dem Material verläuft. Anschließend wird dieser Punktzuwachs softwareseitig ausgeglichen. Damit werden die gewünschten Farben im Produktionsprozess richtig dargestellt.

Tintenlimit

Ein weiterer Faktor ist das maximale Tintenlimit. Jedes zu bedruckende Material kann nur eine gewisse Menge an Farbstoff aufnehmen. Wird zuviel Tinte aufgetragen, verschmiert der Druck. Um diesen Wert zu erhalten, wird ein Testdruck mit Farbkombinationen aus den Grundfarben Cyan, Magenta, Yellow und Black erstellt. Moderne Druckmaschinen arbeiten mit zusätzlichen Tinten, um die Farbwiedergabe noch weiter zu verbessern. So kommen zum Beispiel Orange, Rot, Violett oder Grün zum Einsatz. Auch diese Tinten müssen in den Testdruck einbezogen werden. An der gedruckten Skala ist erkennbar, ab welchem Wert die Tinte zu stark fließt und Konturen nicht mehr exakt dargestellt werden können. Den abgelesenen Schwellenwert ordnet man dem Material zu.

Druckumgebung

Diese 3 Komponenten (ICC-Profil, Linearisierung und Tintenlimit) werden zu einer Druckumgebung verknüpft. Sie bildet damit einen Standard für genau dieses ausgewählte Material und dem Druck auf der festgelegten Druckmaschine der Druckerei. Ändert sich nur eine Eigenschaft aus den 3 Komponenten, ist die bis dahin genutzte Druckumgebung unbrauchbar. Kann zum Beispiel das Material weniger Flüssigkeit aufnehmen, sinkt das maximale Tintenlimit. Die Druckumgebung muss mit den neuen Werten nochmals erstellt werden.
Für jedes Material und jede Druckmaschine muss dieser Vorgang wiederholt werden.


Die erste Hürde ist genommen. Mit diesen Schritten sind die Voraussetzungen geschaffen. Damit können Farben auf einer Aluminiumverbundplatte, einer Fahne, einem Sonnenschirm oder einem anderen Artikel ähnlich wiedergegeben werden.

Wo werden ICC-Profile verwendet?

ICC Profile finden Verwendung in der Ansteuerung von Druckmaschinen. Aber wo werden sie noch eingesetzt und warum sind sie wichtig?
So wie jeder Mensch Farben anders wahrnimmt, haben auch die unterschiedlichsten Geräte wie Monitore, Drucker, Digitalkameras, Scanner und Druckmaschinen verschiedene Arten Farben darzustellen. Man nennt dies Farbraum. Um diese Geräte in „einer Sprache sprechen“ zu lassen, müssen sie kalibriert werden. Das heißt, man misst die Farbwiedergabe und vergleicht sie mit einem Standard. Liegen die Werte außerhalb einer bestimmten Toleranz, müssen die Geräte neu eingestellt/justiert werden.

ICC-Profile unterteilt man in Eingabe- und Ausgabe-Profile und geräteabhängige- und geräteunabhängige Profile. Alle erstellten Profile für die, von uns verwendeten Materialien, Tinten und den dazugehörigen Druckmaschinen sind immer geräteabhängige Profile. Sie beschreiben exakt den Farbraum, den das Gerät auf dem bestimmten Material wiedergeben kann.

Ausgabeprofile

Ein klassisches Ausgabegerät ist zum Beispiel der Monitor. Es wird zwar nichts gedruckt, aber das Produkt kann am Bildschirm betrachtet werden. Hochwertige Proofmonitore können über eine spezielle Software und einem passenden Messgerät kalibriert werden. Die Darstellung entspricht damit dem zu erwartenden Druckergebnis. Durch diesen entscheidenden Vorteil wird Zeit im Bestell- und Druckprozess gespart. Das zu druckende Produkt kann an diesen Monitoren farblich beurteilt und, wenn nötig, korrigiert werden. Vor einigen Jahren wurden zu diesem Zweck noch Andrucke auf dem jeweiligen Material oder spezielle farblich genormte Drucke (Proof) auf hochwertigem Papier dem Kunden zur Begutachtung zugeschickt. Sind dann noch Änderungswünsche aufgetreten, so könnt ihr euch gut vorstellen, um wie viele Tage sich die Auslieferung des gewünschten Produktes verschoben hat.

Eingabeprofile

ICC-Eingabeprofile werden, wie es der Name schon sagt, in Eingabegeräten wie zum Beispiel in Scannern oder Kameras verwendet. Auch diese Geräte können mit, dafür vorgesehenen, Programmen und entsprechenden Messgeräten farblich eingestellt werden. Oft bieten die Hersteller dieser Geräte entsprechende Software und Messgeräte an.
Ist das vollbracht, dann habt ihr einen kompletten, farblich abgestimmten Workflow für euer Colormanagement geschaffen, in dem sich sämtliche Ein- und Ausgabegeräte in einer „Sprache“ unterhalten.

Workflow Colormanagement

Wissenswertes, damit der Druck gelingt

Zum Schluss noch ein Wort zu den unterschiedlichen Farbräumen, die die verschiedenen Geräte verwenden. Geräte wie Monitore, Scanner und Digitalkameras nutzen den RGB Farbraum.

RGB Additive Farben CMYK subtraktive Farben

Der RGB Farbraum ist eine additive Farbmischung, dabei werden die Lichtfarben Rot, Grün und Blau genutzt. Das menschliche Auge nimmt die Farbe Weiß wahr, wenn eine Mischung aus rotem, grünem und blauem Licht übereinander trifft. Überschneiden sich 2 Farben, entstehen die Sekundärfarben Cyan, Magenta und Yellow.

Im Gegensatz dazu arbeiten die meisten Druckmaschinen im CMYK Farbraum,  einer subtraktiven Farbmischung. Dabei werden die Primärfarben Cyan, Magenta und Yellow verwendet.

Druckmaschinen, wie auch der „kleine“ Bürodrucker zu Hause, gibt die Tinte auf Papier oder ähnlichen Substraten aus und reflektiert das Licht. Diese Drucker arbeiten mit den Komplementärfarben Cyan, Magenta und Yellow. Werden diese übereinander gedruckt, entsteht ein dunkler Farbton. Daher wird bei Druckmaschinen zusätzlich Schwarz als 4. Farbe verwendet, dieses ist bei Fotos überwiegend für den Kontrast verantwortlich.
Beide Farbräume nutzen nur wenige Primärfarben zur Erzeugung sehr vieler Mischfarben. Die Kombination aller Mischfarben dieser Systeme nennen wir Farbraum.

Vergleich Farbraum RGB und ICC Profil Druckmaschine

Ein weiterer Unterschied dieser beiden Farbräume ist die Menge der darstellbaren Farben. Der RGB Farbraum ist um einiges größer, als der Farbraum von Druckmaschinen. In der Grafik ist der Farbraum eines RGB Profils (Monitor) und der Farbraum eines Digitaldruckers im CMYK dargestellt.
Es ist deutlich zu erkennen, dass nicht alle RGB-Farben (Monitor-Profil: ECI RGB V2.ICC) druckbar sind. Die Grenzen des CMYK-Profils sind um einiges enger, als die des RGB-Profils. In dem Bereich dazwischen liegen alle nicht darstellbaren Farben. Ein modernes Farbmanagement konvertiert bei der Umrechnung vom RGB Farbraum in den druckbaren CMYK Farbraum die Farben so präzise, dass es kaum sichtbare Farbverluste gibt.

Noch mehr Wissenswertes zu diesem Thema erfahrt ihr in unserem Beitrag CMYK & RGB – mit einfachen Beispielen erklärt

Was sind Sonderfarben?

Die momentan beste Möglichkeit Farben zu bestimmen, ist die Angabe einer Farbe als so genannte Sonder- oder Vollfarbe. Vor allem bei strengen Vorgaben für Firmen oder Logos bieten diese Angaben eine hohe Farbsicherheit, damit dein Corporate Identity auf PVC Plane genauso perfekt dargestellt wird, wie auf deiner Firmenfahne oder einem Sonnenschirm. Für die Umsetzung der Idee bis zum fertigen Wunschprodukt wird dabei ein Farbfächer genutzt. Diese werden von verschiedenen Herstellern angeboten, in unserem Haus nutzen wir die Farbfächer von RAL, Pantone und HKS. Hast du wichtige Farben, die perfekt passen müssen, in deinem Design verwendet, dann lege diese als RAL, Pantone oder HKS-Farbe an. Unser Farbmanagement berechnet die optimale Zusammenstellung für den Druck auf deinem gewählten Material.

Eine Besonderheit gilt es zu beachten. Während die RAL-Farbtabelle ein gesetzter Standard ist, der auch im Baugewerbe oder Maschinenbau häufig verwendet wird, ist der Pantone-Katalog jeweils nur in der letzten, aktuellen Ausgabe gültig.  Das heißt, Farben mit ihrer Farbbezeichnung können in der aktuellen Ausgabe einen Tick anders aussehen, als in den vorangegangenen Katalogen.

Farbfächer Pantone RAL HKS

Ebenfalls weist Pantone im Fächer darauf hin, dass die abgebildeten Farben speziell für den Druck hergestellt wurden und bei einer Reproduktion aus den Grundfarben CMYK Abweichungen entstehen. Es ist nicht möglich, aus den 4 Grundfarben Cyan, Magenta, Yellow und Black den gesamten Fächer abzubilden.
HKS und Pantone Fächer sind auf glänzenden und auf matten Papieren erhältlich. Das bedruckte Material ist sehr entscheidend für den Farbausfall.

Fachbegriffe erklärt:

ICC-Profil – ist eine genormte Datei, die eine Beschreibung eines Farbraumes beinhaltet. ICC-Profile gibt es sowohl für Eingabegeräte wie Scanner oder Digitalkameras, als auch für Ausgabegeräte wie Drucker oder Druckmaschinen.
ICC steht für International Color Consortium, in diesem Konsortium haben sich Hersteller von Grafik- und Bildbearbeitungsprogrammen zusammengeschlossen. Sie arbeiten an einer Vereinheitlichung  von Farbmanagementsystemen.

Sublimation ist der Übergang vom festen in den gasförmigen Zustand. Sublimationstinte kann für den Transferdruck, aber auch für den Direktdruck eingesetzt werden. Bei diesem Digitaldruck-Verfahren wird diese direkt auf ein Polyestermaterial gedruckt. Im späteren Fixierprozess bei ca. 180-200°C geht die getrocknete Tinte in den gasförmigen Zustand über und migriert (wandert) so in die Polyesterfaser. Beim Transferdruck wird spiegelverkehrt auf ein spezielles Papier gedruckt. Zur Fixierung/Übertragung auf das Polyestermaterial werden dann Kalander oder Fixierpressen genutzt.
Der Kalander besteht aus einem System von mehreren beheizten Walzen. Papier und Textil werden aufeinander liegend hindurch geleitet. Durch Wärme und Druck wird der Farbstoff vom Papier auf das Textil übertragen. Der Kalander hat den Vorteil, dass Rollenware verarbeitet werden kann.

Dispersionstinte – ähnelt der Sublimationstinte, die bei ca. 180°C fixiert wird. Diese Tintenart weist nicht den typischen Sublimationseffekt auf (direkter Übergang von fest in gasförmigen Zustand) und kann somit nicht für den Transferdruck eingesetzt werden. Jedoch hält sie den UV-Strahlen der Sonne länger stand und ist somit gut für den Fahnendruck geeignet.

Pigmenttinte – ist eine Tinte, die die Farbpigmente nur an der Oberfläche anhaftet und nicht wie eine Sublimations- oder Dispersionstinte in die Faser eindringt und färbt. Wir arbeiten mit 3 unterschiedlichen Systemen dieser Tintenart bei uns im Haus: lösemittelbasierende, wasserbasierende und UV-härtende Pigmenttinte.

Der heutige Blog-Beitrag richtet sich an alle Einsteiger in das Thema „Colormanagement“. Für alle Profis unter euch folgt demnächst ein Artikel, der sich noch tiefgreifender mit dem Thema auseinander setzen wird. Welche Fakten interessieren Dich? Schreib einen Kommentar oder eine Mail.

Für eine perfekte Vorbereitung deiner Motive für unsere Online Druckerei, haben wir den detaillierten Beitrag Druckdaten erstellen – Ein Leitfaden für die erfolgreiche Datenprüfung für dich zusammen gestellt.

Über Jens
Jens gehört zur Stammbesetzung im Hause Sachsen Fahnen und hat den Bereich Digitaldruck und Colormanagement maßgeblich mit aufgebaut und weiter entwickelt. Nach Tätigkeiten in den Abteilungen Grafik, Digitaldruck und Forschung & Entwicklung, ist er nun im Bereich Technologie gelandet. Er optimiert und erweitert ständig Prozesse im Bereich Digitaldruck, um perfekte Druckerzeugnisse zu produzieren.
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1 Kommentar

  • Mustapha sagt:

    Bonjour Mr,
    Je vous remercie beaucoup pour votre effort et de partage de votre part, car je suis débutant dans le domaine de l’imression de sublimation et d’apres votre article et commence à comprendre des choses.

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