Wie entstehen Produkte für nachhaltige Werbung?

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Egal ob es um Bekleidung oder Nahrungs­mittel geht, überall begegnen uns mehr und mehr nachhaltige Produkte. Und die Nachfrage wächst, denn zunehmend sorgt sich vor allem die Generation Z (nach 1995 geboren) um Werte wie Umwelt­schutz und Nachhaltigkeit. Diesen Trend analysierte die Non-Profit-Organisation Green­peace in ihrer Studie Nachhaltigkeitsbarometer – Was bewegt die Jugend?. Dabei stellten sie fest dass sich bereits über 60 % der Jugendlichen zwischen 15 und 24 Jahren für eine nachhaltige Entwicklung einsetzen. Doch was genau bedeutet Nachhaltigkeit? Und wie entstehen Produkte für nachhaltige Werbung? Entdeckt die Ergebnisse unserer Recherche.

Nachhaltiges Handeln – nur ein Trend des 21. Jahrhunderts?

Weit gefehlt! Um zu den Wurzeln nachhaltigen Handelns zu gelangen, begeben wir uns einige Hundert Jahre in die Ver­gangenheit. Denn dass die Ressourcen unserer Erde begrenzt sind, fanden schlaue Menschen schon einige Generationen vor uns heraus.

Einer von ihnen, der Freiberger Oberberg­haupt­mann Hans Carl von Carlowitz (1645–1714), erwähnte erstmals 1713 in seinem forst­wirtschaftlichen Buch „Sylvicultura oeconomica“ das Prinzip der Nachhaltigkeit.

Sein Konzept bestand darin, den Wald­bestand lang­fristig zu schützen. Somit sollten immer nur so viele Bäume abgeholzt werden, wie in einer bestimmten Zeit nachwachsen. Sein Ziel: ein stabiles Gleich­gewicht in der Forst­wirtschaft schaffen.

Die erste echte Definition der Nachhaltig­keit finden wir im so genannten Brundt­land-Bericht von 1987 – heraus­gegeben von der Welt­kommission für Umwelt und Ent­wicklung der Vereinten Nationen.

„Dauerhafte Entwicklung ist Ent­wicklung, die die Be­dürfnisse der Gegen­wart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre Be­dürfnisse nicht befriedigen können“.

Our common future – Brundtland-Bericht

Prinzipiell basiert nachhaltiges Handeln jedoch auf 3 Säulen: Ökologie, Ökonomie und Soziales. Zusammen bilden sie das Nachhaltig­keits­dreieck. Auf Grundlage dieser 3 Teile entstanden im Jahr 2015 die Verein­barungen der UN-Agenda 2030 für eine nachhaltige Entwicklung. Sowohl Industrie­länder als auch Schwellen- und Entwicklungs­länder stimmten dem Programm zu. Wobei die Welt­gemeinschaft konkrete Entwicklungsziele in insgesamt 17 Artikeln zum Thema Nachhaltigkeit für alle Lebens­bereiche formulierte. Dabei interessiert uns im Bereich Werbung vor allem der wichtige Punkt „Nachhaltig produzieren und konsumieren“.

Produkte für nachhaltige Werbung, wie geht das?

Ihr möchtet umweltbewusst in nachhaltige Werbung investieren? Wir haben uns Gedanken gemacht, wie Werbe­mittel ökologisch und ökonomisch sinn­voll produzierbar sind. Das Zauber­wort heißt „Recycling“ – beispielsweise die Wieder­verwertung  von PET-Flaschen. Auf der Basis wertvoller Rohstoffe entstehen so neue Recycling­materialien. In unserem Fall der Fahnen­stoff Multiflag® GREEN Plus aus 100 % recyceltem Polyestergarn.

Die Chemie­faser Polyester besteht aus Polyethylen­terephthalat (PET). Die primäre Her­stellung von PET erfolgt auf Basis der Roh­stoffe Steinkohle, Kalk, Erdöl und Erdgas. In der sekundären Wieder­verwertung bilden beispiels­weise leere PET-Flaschen die Grund­lage.

Von der PET-Flasche zur neuen Fahne

Wie funktioniert nun dieses PET-Recycling in der Realität ? Und wie wird daraus ein bedruck­bares Textil und schließlich eure nachhaltige Werbung? Wir sind für euch auf Spuren­suche gegangen.

Station 1: Der Pfandautomat

leere PET-Flaschen

Vorbildlich tragt ihr eure leere PET-Flasche zum Pfand­automaten. Nach­dem ihr den Pfandbon kassiert habt, ist die Sache für euch auch schon erledigt. Aber was passiert nachdem eure Flasche in der dunklen Röhre verschwunden ist? Noch vor Ort pressen die Unter­nehmen die Flaschen zu großen Ballen. In dieser platz­sparenden Form machen sie sich anschließend auf den Weg zur Recycling­firma.

Station 2: Die Recyclingfirma

Hier werden die Ballen zuerst einmal wieder aufgelöst. Als nächstes über­nehmen moderne Anlagen die Vor­sortierung der Materialien und Farben. Dabei bläst ein Wind­sichter Staub und Etiketten aus dem Pulk der leeren Flaschen. Anschließend geht’s ab in die Mühle. Dort zer­kleinert ein riesiges Mahl­werk  die PET-Flaschen in kleine Stückchen, die so genannten Flakes.

Recyclingfirma, Waschbereich für Kunststoff-Flakes

Diese Plastik-Teilchen landen anschließend in einer Wasch­anlage, wo Schad­stoffe und Schmutz gründlich entfernt werden. Darauf folgt das Heraus­filtern der Schraubdeckel-Bestandteile in einem Schwimm-Sink-Prozess. Dabei sinken die schweren PET-Teilchen der Flasche im Wasser­bad nach unten und die leichten Teilchen der Deckel aus Polyolefin steigen an die Ober­fläche. Dort werden sie anschließend maschinell abgeschöpft.

Für unsere Bedruck­stoffe interessieren uns aller­dings ausschließlich die weißen Flakes. Für sie geht es zur Weiter­verarbeitung in die Spinnerei.

Station 3: Die Spinnerei

Dort angekommen, gelangen die Kunst­stoff-Flakes in einen Extruder. In dieser Maschine werden die Flakes stark erhitzt und wieder geschmolzen. Dieser Prozess wird als Schmelz­spinn­verfahren bezeichnet. Dabei presst die Maschine den geschmolzenen Kunst­stoff durch Spinn­köpfe in einen Kalt­luft­schacht. Durch die starke Abkühlung verfestigen die entstandenen Fasern wieder.

Spinnerei, gesponnener Fade auf Garnrollen

Ist schließlich die gewünschte Festigkeit erreicht, streckt man die Fasern und wickelt sie auf große Spulen. Das Ergebnis dieses Prozesses ist ein monofiles Garn. Da es nur aus einem Filament, beziehungs­weise einem Endlos­faden besteht, wird es auch als Filament­garn bezeichnet. Zuletzt werden die Fäden aufgespult und zur Wirkerei gebracht.

Ein Filament ist eine Faser, die praktisch endlos ist, mindestens jedoch 1000 m lang.

Station 4: Die Wirkerei

Schematische Darstellung eines Kettengewirkes

In der Wirkerei entsteht schließlich unser Recycling­material, genauer gesagt ein Ketten­gewirke. Diese Textilien gehören zu den Maschen­waren.

Bei der Ketten­wirkerei laufen in der Maschine viele Fäden senkrecht parallel zueinander. Sie werden über einen Kett­baum und danach durch Loch­nadeln geführt, die sich an einer Lege­schiene befinden.

Recyclingmaterial Multiflag® GREEN Plus (vergrößert)

Diese Loch­nadeln legen die Fäden nun um gebogene Zungen­nadeln herum, die wiederum auf einer Nadel­barre befestigt sind. Anschließend bewegt sich die Nadel­barre nach rechts oder links und erzeugt auf diese Weise eine Maschen­reihe. Abschließend versetzt die Lege­schiene mit den Loch­nadeln um eine oder mehrere Nadeln und der Vorgang zur Maschen­legung wird wiederholt.

Das so entstandene Recycling­material Multiflag® GREEN Plus besitzt die gleichen Eigenschaften wie das Original. Doch wurden mit dem Prinzip der „Nachhaltigkeit“ die Roh­stoffe der PET-Flasche ein weiteres Mal genutzt.

Station 5: Die Druckerei

Da wären wir wieder am Start­punkt unserer Reise. In der Online Druckerei Vispronet® erhält das Recycling­material schließlich ein neues „Gesicht“.

Doch bevor es losgehen kann, ist noch eine spezielle Vor­behandlung der Roh­ware nötig. Dabei wird sie gewaschen und optisch aufgehellt. Zusätzlich garantiert eine besondere Aus­rüstung, je nach Druck­verfahren, brillante und strahlende Farben.

Druckkopf einer Digitaldruckmaschine, Druck auf Recyclingmaterial

Auch im Druck­prozess achten wir auf Nachhaltigkeit – mit umwelt­schonenden Farben. So nutzen  wir im Bereich Digital­druck wasser­basierende Dispersions- und Sublimations­tinten. Auf diese Weise bedrucken wir deine neue Fahne mit hoch­auflösenden Fotos, Grafiken und Schriften.

Wenn Du eine größere Stück­zahl benötigst, empfehlen wir dir die Technologie Sieb­druck (ab 15 Stück). Mit Dispersions­farben auf Wasser­basis drucken wir sowohl Fotos als auch Gestaltungs­elemente in Pantone-, RAL oder HKS-Farben auf das innovative Recyclingmaterial Multiflag® GREEN Plus.

Station 6: Deine Fahne

Zum Schluss nähen unsere fleißigen Konfektionär*Innen deine neue Fahne oder auch Spann­bänder und Beach­flags daraus. Schnell verpacken und schon ist dein nachhaltiges Werbe­mittel auf dem Weg zu dir.

Schon gewusst?

Circa 8 PET-Flaschen ergeben eine Werbe­fahne in der Größe 120 x 80cm.

Ultimative Effekte für nachhaltige Werbung

Multiflag GREEN PLus für nachhaltige Werbung
  • Einsparung von nicht nach­wachsenden Rohstoffen, beispielsweise Erdöl
  • Schont die Umwelt, durch Reduzierung der Ver­schmutzung von Natur und Meeren
  • Senkung der CO2 Emissionen, so spart man mit 1kg recyceltem PET bis zu 3kg CO2

Außerdem optimiert unser Unter­nehmen fort­laufend Produktions­prozesse und die ressourcen­schonende Ausrichtung von Materialien und Arbeits­mitteln.

Beispiels­weise tragen, die bei uns ver­wendeten UV-Tinten das Nordic Ecolabel (Nordic Swan) und sind VOC-frei. Mehr zu diesem Druck­verfahren lest ihr in unserem Blog­beitrag UV-Druck.

Interessante Fakten:

Ergebnisse der Fraunhofer UMSICHT-Studie zur CO2 – Ein­sparung durch Recycling für das Unter­nehmen ALBA Group belegen eine enorme Senkung des CO2 Aus­stoßes für den Gesamt­prozess.

„Vergleicht man die Produktion von PET-Granulat im Primär- und im Sekundär­prozess, so ergibt sich eine Kohlen­dioxid-Ein­sparung von fast 85%.“

Fraunhofer UMSICHT-Studie CO2-Einsparung durch Recycling

Fazit

Umweltschutz ist uns wichtig und als nachhaltige Werbung definitiv umsetzbar. Multiflag® GREEN Plus ist ein gutes Beispiel für ein umwelt­freundliches Material aus 100 % recyceltem PET. So setzt du mit gutem Gewissen deine nachhaltigen Werbe­mittel Ideen in die Tat um – als Fahne, Beach­flag oder Spann­band! Wir wünschen dir megamäßigen Erfolg dabei!


Quellen:

Deutsche Gesellschaft für Qualität: Was bedeutet Nachhaltigkeit?
Bundesregierung – Nachhaltigkeitspolitik: Ziele für nachhaltige Entwicklung
Nabu: Studie Verwendung und Recycling von PET in Deutschland
Informationen Polyester
Kettenwirkerei: „Fachwissen Bekleidung“ (5. Auflage, Verlag Europa-Lehrmittel, Nourney, Vollmer GmbH & Co.)

Über Maike
Maike war viele Jahre als Gruppenleiterin im Bereich Grafik - Druckvorstufe tätig. Sie kennt sich bestens mit den Themen-Bereichen Datenprüfung, Druckdaten, Vektor- und Bildbearbeitung aus. Für den Blog textet sie, bearbeitet Bilder und Videos und optimiert die Beiträge SEO-gerecht.
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