Kanada, Niagara Fälle, Horseshoe Falls, Flagge Kanada
Kanada, Niagara Fälle, Horseshoe Falls, Flagge Kanada

Die Flagge von Kanada – Land zwischen zwei Ozeanen

  • Lesezeit: 8 Min.

Flaggen der Welt

In unserem Blog-Beitrag begeben wir uns nach Nordamerika. In Kanada ist alles etwas weiter, größer und eindrucksvoller.
Wir stellen euch die Flagge von Kanada vor, das charakteristische Ahornblatt und die Bedeutung der Farben. Wie ist die kanadische Fahne entstanden und wann wurde sie zum ersten Mal gehisst?
Außerdem erzählt euch unser Kollege Robert etwas über seine Heimat British Columbia und die Mentalität seiner Landsleute.

Kanada in Fakten

„A Mari Usque Ad Mare“ –  diesen Spruch findet man auf dem Wappen Kanadas. Ins Deutsche übersetzt: „Von Meer zu Meer“, so erstreckt sich das Land zwischen Atlantischen- und Pazifischen Ozean. Knapp 38 Millionen Einwohner leben auf einer Fläche von annähernd zehn Millionen Quadratkilometer. Das sind gerade einmal 3,6 Menschen pro Quadratkilometer. Kanada erstreckt sich über sechs Zeitzonen.

Das offizielle Staatsoberhaupt des Landes ist die englische Queen Elisabeth II. – auch heute noch. Das Land ist ein parlamentarisch-demokratisches Bundesland basierend auf dem Westminster-System. Vertreten wird die Queen jedoch durch eine Generalgouverneurin und einen Premierminister.

Unabhängigkeitsbestrebungen, die Anerkennung der First Nations oder die Beziehungen zum Nachbarland USA führen immer wieder zu gesellschaftlichen Konflikten.

Kanada und seine Flagge

Die kanadische Flagge ist eine Triband Flagge. Sie besteht aus 3 vertikalen Streifen. In der Mitte befindet sich ein weißer Streifen, dieser wird auch als canadian pale bezeichnet. Er ist exakt doppelt so breit wie die beiden roten Teile links und rechts. Die Form des weißen Bandes bildet immer ein Quadrat. In dessen Zentrum sitzt ein rotes Ahornblatt.

Proportionen der Flagge2 : 1 (Breite zu Höhe)
Verhältnis der Streifenbreiten1 : 2 : 1 (rot/weiß/rot)
Erstmals gehisst15. Februar 1965
Bezeichnungenglisch: Marple Leaf Flag (Die Ahornblattflagge)
französisch: l’Unifolié (Die Einblättrige)
Flagge Kanada
Flagge Kanada

Die Elemente der kanadischen Nationalflagge

Das Ahornblatt

Es ist das wohl bekannteste kanadische Zeichen. Historiker nehmen an, dass es bereits um 1700  erstmals als nationales Symbol verwendet wurde. Es steht für Einheit, Toleranz und Frieden. Das Ahornblatt auf der kanadischen Flagge hat 11 Zacken, in der Natur hat das Blatt des Zuckerahorns 23 Zacken. Die Anzahl hat keine weitere Bedeutung und wurde aus rein ästhetischen Gründen ausgewählt. Wenn die Fahne im Wind flattert, kommt das Blatt so am besten zur Geltung.

In der Geschichte Kanadas findet man viele Beispiele zur Ehrung des Ahornblattes:

Die Société Saint-Jean-Baptiste nutzt das Ahornblatt als Emblem.
Sie ist die älteste patriotische Vereinigung, die für die Interessen französisch-stämmiger Nordamerikaner eintritt.

Alexander Muir schreibt das Lied für die Konförderation „The Maple Leaf Forever“

Das Ahornblatt ist auf allen kanadischen Münzen abgebildet.

Ahornblätter werden in das kanadische Wappen aufgenommen.

Die Farbe des Ahornblattes wird von Grün zu Rot geändert.

Die rot-weiße „Marple Leaf Flag“ wird offiziell als Nationalflagge Kanadas angenommen.

Die Nationalfarben

Rot und Weiß – ihre Geschichte reicht zurück bis in die Zeit des ersten Kreuzzuges im 11. Jahrhundert.
Der normannische Lord Bohemond I. lies rote Kreuze zuschneiden und verteilte sie an die Kreuzfahrer. Da es zu dieser Zeit noch keine Uniformen gab, trugen die Kämpfer sie als Unterscheidungsmerkmal auf ihrer Kleidung.

Frankreich verwendete lange Zeit ein rotes und England ein weißes Kreuz. Später wechselten die Farben der beiden Länder.
Seit 1921 sind Rot und Weiß offiziell die Nationalfarben Kanadas. König George V. legte das Rot in Anlehnung an das Georgskreuz der englischen Fahne fest. Die Farbe Weiß ist bereits seit der Zeit Karl VII. die französische Königsfarbe.

Bedeutung der Farben in der Flagge von Kanada

Die beiden roten Streifen links und rechts symbolisieren die beiden Ozeane Pazifik und Atlantik im Westen und Osten des Landes. Weiß steht für den Schnee der Arktis im Norden.

Die Geschichte der Nationalflagge Kanadas

Das Ringen um eine eigene Flagge beschäftigte Kanada über viele Jahrzehnte. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die Stimmen immer lauter, die vom Red Ensign hin zu einer eigenen und unverwechselbaren kanadischen Fahne drängten.

Kanadische Red Ensign Flagge

Die Story begann bereits 1925 als ein geheimer Ausschuss mögliche Entwürfe begutachtete. Im Jahr 1946 prüfte ein Parlamentarischer Ausschuss mehr als 2600 eingereichte Gestaltungen, doch die Mitglieder konnten sich nicht auf einen Entwurf einigen.

Kurz vor dem hundertjährigen Bestehen der Konförderation bemühte sich das Parlament und der Premierminister Lester B. Pearson verstärkt um eine Einigung im Flaggenstreit.
Am 15. Februar 1965 wird die neue Flagge zum ersten Mal in Ottawa über dem Parliament Hill gehisst. Das Design stammt von George Stanley, dem Dekan der Künste am Royal Military College in Kingston.

Der Jahrestag wird landesweit am 15. Februar als National Flag of Canada Day begangen.

Kanadische Symbole

Das Wappen

Äußerst detailreich zeigt es neben den typischen Ahornblättern viele britische Elemente.
So stehen die drei goldenen Leoparden auf rotem Untergrund für England. Ein roter Löwe auf goldenem Grund, umrahmt von Lilien, symbolisiert Schottland. Die goldene Harfe Tara auf blauem Fond ist das Zeichen für Irland, die goldenen Lilien auf blauem Grund das für Frankreich.
Getragen wird das Schild vom englischen Löwen und dem schottischen Einhorn.
Diese und noch viele weitere Elemente bilden das kanadische Wappen, welches 1921 von König George V. in Kraft gesetzt wurde.

Der Biber

Zu den nationalen Symbolen Kanadas zählt darüber hinaus der Biber. Das Gesetz dazu wurde 1975 vom Parlament verabschiedet: National Symbol of Canada Act.

Doch warum hat der Biber eine so hohe Bedeutung für Kanada?

Kanadischer Biber

Die europäischen Entdecker fanden schnell heraus, dass der Pelzhandel eine gute Einnahmequelle ist. Die Mode am Ende des 16. Jahrhunderts bevorzugte Pelzmützen. Auch Hüte aus Biberhaarfilz waren recht begehrt beim Mann von Welt.
Die Indianer nutzten Biberfelle als wichtiges Tauschgut. Der Pelzhandel war ein profitables Geschäft und die Kanadier ehren das Tier als Dank dafür in Wappen, auf Münzen und Medaillen.

Ausflug ins Land des Ahornblattes

Urgewalt Wasser – die Niagarafälle

Als Tourist bekommt man natürlich die typischen Sehenswürdigkeiten zu sehen. Was fällt mir da zuerst ein? Natürlich: die Niagara Fälle!
Auch wenn das Gebiet rund um die Fälle eher an einen Vergnügungspark erinnert, dem Zauber der tosenden Urgewalt „Wasser“ kann man sich nur schwer entziehen. Die Fahrt mit einem der „Maid oft the Mist“-Boote gehört deshalb auch zum Standardprogramm.

Ontario, Niagarafälle, kanadische "Horseshoe Falls"

Heutzutage werden die herab stürzenden Wassermengen um rund 50 Prozent reduziert, nachts und außerhalb der Touristenzeiten sogar noch mehr. Das abgeleitete Nass nutzen die angrenzenden Bundesstaaten in den USA und Kanada zur Energiegewinnung. Nebenbei verhindert diese Maßnahme, dass sich die Niagarafälle zu intensiv in das Land fressen. Trotz allem wandern sie durch die Erosion jedes Jahr rund vier Zentimeter weiter Fluss aufwärts dem Eriesee entgegen.

Der Osten Kanadas

In der Provinz Ontario befindet sich Ottawa, die Hauptstadt Kanadas. Hier wurde auf dem Parlamentsgebäude die Flagge von Kanada mit dem roten Ahornblatt 1965 zum ersten Mal gehisst.

Ottawa, Tulipfestival

Die Stadt wird von einer ganz besonderen Blume geprägt – der Tulpe. Wie es dazu kam? Während des Zweiten Weltkrieges gewährte Kanada der niederländischen Königsfamilie Asyl. 1943 erblickte Prinzessin Margriet im Ottawa Civic Krankenhaus das Licht der Welt. Kurzerhand erklärte die kanadische Regierung das Krankenzimmer zu niederländischem Staatsgebiet. Auf diese Weise konnte die Thronfolge gesichert werden. Zum Dank dafür sendet die Niederländische Königsfamilie jedes Jahr 20 000 Tulpenzwiebel nach Ottawa. Beim alljährlichen Tulipfestival präsentiert sich die Stadt im Zeichen der Tulpe mit vielen Veranstaltungen.

Seht euch doch den kleinen Film zu dieser außergewöhnlichen Story an.

Quelle: TulipTVTulipe

Kanadas wirtschaftliches Zentrum befindet sich in Toronto. Fast drei Millionen Menschen leben in der Metropole am westlichen Ende des Ontariosees. Im Financial District, dem Bankenviertel der Stadt, finden sich einige kuriose Sehenswürdigkeiten.

Läuft man durch die Straßen findet man nur wenige Geschäfte und Restaurants, dafür viele Tore mit der Kennzeichnung PATH. Durch sie steigt man ab in ein unterirdisches Tunnelsystem. Auf fast 30 Kilometern Länge beherbergt es über 1000 Geschäfte, Restaurants und alles was man noch zum Leben braucht. Das hat den Vorteil, dass man während der Winterzeit nicht bibbernd durch die Straßen wandern muss, sondern ganz entspannt an den Schaufenstern entlang bummelt.

Goldene Verglassung der Royal Bank Plaza, Toronto

Im Sommer dagegen wird es recht warm in Toronto. Die Royal Bank Plaza, einer der Wolkenkratzer Torontos, ließ deshalb alle Fensterscheiben mit einer 24 Karat Goldbeschichtung versehen. Das dient sowohl der Wärmedämmung im Sommer, als auch der Senkung der Heizkosten im Winter. Nebenbei sieht es auch noch ganz schön cool aus.

Der Westen Kanadas

Landschaft British Columbia

Wenn wir Kanada richtig kennen lernen wollen, fragen wir am besten einen Kanadier. Robert arbeitet in unserer Firma als Übersetzer. Seine Heimat ist Vancouver im Bundesstaat British Columbia. Wir machen uns auf unserer virtuellen Reise auf den Weg an die Westküste. Mit dem Zug braucht man dafür 5 Tagen. Dabei kann man ganz entspannt die vielfältige Landschaft bestaunen.

Robert, was unterscheidet den typischen Kanadier von einem Deutschen?
Kanadier sind entspannter und denken positiv. Kanada ist ein Multi-Kulti-Land und Fremden gegenüber sehr aufgeschlossen.

Wie läuft das mit der Berufsausbildung in Kanada?
Nicht so geregelt wie in Deutschland. Wenn man sich einen Beruf gewählt hat, zum Beispiel Tischler, dann sucht man sich einen Betrieb. Du fragst an, ob du den Beruf dort erlernen kannst. Anschließend suchst du dir selbst eine Berufsschule.

Was hast du nach deiner Schulzeit gemacht?
Erstmal zur Marine, anschließend war ich bei der Küstenwache beschäftigt. Dabei habe ich schon einiges erlebt. Die Küstenwache ist, unter anderem, für den Uferstreifen in einer Breite von circa 800 Meter zuständig. Die Angestellten kontrollieren die Einhaltung des Umweltschutzes und sichern das Gebiet vor Wilderern. Zweimal bin ich einem Schwarzbären begegnet. Das ist schon ein Erlebnis, was man nicht so schnell vergisst! Ich hab es vorgezogen, mich schnell davon zu machen. Als Mitglied der Küstenwache hat man zwar ein Gewehr dabei, aber ich kann doch keinen „Teddy“ erschießen! Mein Vorgesetzter fand das gar nicht lustig.

Was gefällt dir an deiner Heimat?
British Columbia ist natürlich das schönste kanadische Bundesland!
Es ist die grüne Lunge Kanadas. Was ihr hier in Deutschland als Wald bezeichnet, ist in meiner Heimat höchstens ein Park. In Vancouver ist das Klima, im Vergleich zum Rest des Landes, meistens sehr mild. Im Winter fällt eher selten Schnee. Im Pazifik kannst du mit etwas Glück Killerwale beobachten.
Wir sind eine Multi-Kulti-Gesellschaft. Die First Nations, also die Ureinwohner Kanadas, gehören genauso zu Kanada, wie die vielen Einwanderer aus allen Teilen der Welt. Es gibt Chinesen, Inder, Iren, Deutsche. Geprägt haben uns natürlich die Entdecker aus England und Frankreich. Kanada ist offiziell ein bilinguales Land. Auf den Verpackungen im Supermarkt findest du immer französische und englische Beschriftung.

Was sind typische Nationalgerichte?
In der Gegend, wo ich her komme, sind es Steaks und Meeresfrüchte, beispielsweise Miesmuscheln und Austern. Lachs gehört natürlich auch dazu. Der „Sockeye“ ist ein roter Wildlachs. Er wird nicht, wie in Europa, eingefärbt. Die natürliche rote Färbung bekommt er durch seine Nahrung: kleine rote Krebse und Garnelen. Für unsere Steaks nehmen wir natürlich am liebsten kanadisches Rindfleisch.

Robert, vielen Dank für das Gespräch.

Sockeye, roter Wildlachs

Ahornsirup – nicht nur für kanadische Leckermäulchen

Wenn ihr ein klein wenig kanadisches Feeling zu Hause möchtet, versucht es doch mal mit Ahornsirup. Der hat den Weg auch in unsere Supermärkte gefunden. Ganz klassisch auf frisch gebackenen Pancakes genießt der Kanadier ihn zum Frühstück. Aber natürlich passt er auch gut in Tees oder auf allerlei Desserts.

Die Herstellung von Ahornsirup wurde von den Indianervölkern Nordamerikas begonnen. Wenn im Frühjahr tagsüber länger die Sonne scheint und nachts noch Frost herrscht, beginnen die Ahornbäume die Nährstoffe aus den Wurzeln in die Knospen zu transportieren. Für die Ernte werden die Stämme angebohrt und der Saft abgeführt. Anschließend wird der Pflanzensaft zu einem dicken Sirup eingekocht bis er etwa einen Zuckergehalt von 60 Prozent erreicht.
Wie gut der Ahornsirup ist, erkennst du an seiner Farbe. Je heller seine Farbe, desto milder sein Aroma. Es gibt sogar ein offizielles Klassifizierungssystem dafür.

Wie ihr seht, ist Kanada ein sehr interessantes Land mit aufgeschlossenen Menschen. Neben einer eindrucksvollen Geschichte bietet es eine atemberaubende Natur und viele landestypische Besonderheiten.
Wir hoffen, dass wir euch dieses ferne Land mit seiner interessanten Nationalflagge etwas näher bringen konnten. Hattet ihr selbst schon Gelegenheit dieses wunderbare Land zu bereisen und dabei außergewöhnliche Erlebnisse? Hinterlasst uns gern einen Kommentar.


Möchtest du noch mehr über Fahnen erfahren? In unserem Blog-Beitrag Flaggen der Welt – Eine Reise nach Nepal erhältst du interessante Details über die einzige nicht rechteckige Flagge der Welt.
Wusstest du schon, dass es einen Unterschied zwischen Fahne und Flagge gibt?


Quellen:
Government of Canada/Austria
Government of Canada/Nationalflagge Kanada
Government of Canada/Die Geschichte der Nationalflagge Kanadas
Niagarafälle

Fotos:
Shutterstock
Titel: M. Kegel

Über Maike
Maike war viele Jahre als Gruppenleiterin im Bereich Grafik - Druckvorstufe tätig. Sie kennt sich bestens mit den Themen-Bereichen Datenprüfung, Druckdaten, Vektor- und Bildbearbeitung aus. Für den Blog textet sie, bearbeitet Bilder und Videos und optimiert die Beiträge SEO-gerecht.
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